Grenzen der Psychotherapie – Warum sie wichtig sind

Birthe Claußen
von Birthe Claußen

Es gibt einen Moment, der in Therapien immer wieder auftaucht: Jemand sitzt mir gegenüber, die Hände fest ineinander verschränkt, die Stimme leise. „Ich dachte … Therapie hilft einfach.“

Dieser Satz ist ehrlich. Und er berührt, weil er eine große Sehnsucht enthält: nach Orientierung, Entlastung, Halt. Gleichzeitig zeigt er, warum es so wichtig ist, über die Grenzen der Psychotherapie zu sprechen – nicht um Erwartungen klein zu machen, sondern um Vertrauen zu stärken.

Psychotherapie kann viel bewirken. Aber sie ist nicht allmächtig. Und gerade darin liegt ihre Kraft.

Ein ruhiger Bachlauf durch eine grüne Landschaft im Sonnenlicht – symbolisches Bild für die Grenzen der Psychotherapie und den geschützten Rahmen, den sie bietet.

Was Therapie leisten kann – und wofür sie nicht gemacht ist

Therapie ist ein sicherer Raum, in dem du dein Erleben verstehen und schwierige Gefühle sortieren kannst. Sie hilft, Muster sichtbar zu machen, alte Verletzungen zu verarbeiten und neue, tragfähige Wege im Alltag zu finden.

Psychotherapie kann Symptome lindern, Orientierung geben und dich dabei begleiten, dich selbst wieder zu spüren.

Aber sie ersetzt kein perfektes Leben. Sie bietet keine schnellen Lösungen und keine Garantie darauf, dass alles schmerzfrei wird. Und sie ist nicht dafür da, Entscheidungen für dich zu treffen oder Konflikte für dich zu lösen. Eine Therapie kann dir Türen zeigen – hindurchgehen musst du selbst.

Es ist ein Prozess, der Zeit, Mut und manchmal auch Geduld mit sich bringt. Und genau deshalb braucht es Klarheit darüber, wofür Therapie da ist – und wofür nicht.

Die gemeinsame Verantwortung: Therapeutin & Klient*in

Eine gute Therapie entsteht nicht dadurch, dass eine Fachperson “etwas tut”, während du dich zurücklehnst. Sie lebt vom Zusammenspiel zweier Menschen.

Als Therapeutin trage ich Verantwortung für den fachlichen Rahmen, die Methodik, die Sicherheit und dafür, dass wir uns auf wissenschaftlich fundiertem Boden bewegen. Ich halte den Raum, benenne mit dir zusammen, was spürbar wird, und achte darauf, dass wir uns in einem Tempo bewegen, das für dich tragbar ist.

Gleichzeitig braucht es deine Bereitschaft, dich einzulassen. Offenheit, Neugier, manchmal auch die Geduld, einen Gedanken noch einmal zu betrachten oder eine Übung auszuprobieren, obwohl es ungewohnt ist. Du musst nicht perfekt vorbereitet sein, nicht „funktionieren“ aber du bist aktiv beteiligt.

Psychotherapie ist immer ein gemeinsamer Prozess. Und genau darin liegt ihre Wirksamkeit.

Therapie oder Coaching? Eine klare, aber oft missverstandene Grenze

Viele Menschen fragen heute: Brauche ich Therapie oder Coaching?
Die Antwort liegt selten in einem einfachen Entweder-Oder.

Coaching richtet sich an psychisch gesunde Menschen, die sich weiterentwickeln möchten – beruflich, kommunikativ oder persönlich. Es ist zukunftsorientiert, zielgerichtet und arbeitet selten mit tief liegenden Verletzungen oder belastenden Symptomen.

Therapie beginnt dort, wo die seelische Gesundheit beeinträchtigt ist: bei anhaltender Erschöpfung, Angstzuständen, depressiven Verstimmungen, traumatischen Erfahrungen oder dem Gefühl, innerlich den Boden zu verlieren. Hier geht es nicht nur um Ziele, sondern um Stabilisierung, Regulation, emotionale Sicherheit und die Bearbeitung von Belastungen, die tief im Erleben verankert sind.

Diese Abgrenzung dient nicht der Ausgrenzung, sondern der Sicherheit: Menschen sollen die Unterstützung bekommen, die wirklich zu ihrer Situation passt.

Wann andere Stellen zuständig sind

Manchmal zeigt sich in der Therapie, dass Unterstützung außerhalb der Praxis notwendig ist – und genau das ist ein Zeichen von Professionalität, nicht von Scheitern.

Das kann der Fall sein, wenn

  • eine medizinische Abklärung braucht, etwa bei Schlafstörungen, starken körperlichen Symptomen oder Verdacht auf bestimmte Erkrankungen
  • eine psychiatrische Einschätzung hilfreich ist, beispielsweise für medikamentöse Unterstützung
  • soziale, rechtliche oder finanzielle Themen im Vordergrund stehen und Beratungsstellen, Sozialdienste oder spezialisierte Einrichtungen besser weiterhelfen können
  • eine akute Gefährdung besteht und sofortige Krisenhilfe oder Notfallversorgung erforderlich ist

Psychotherapie ist ein wichtiger Teil des Hilfesystems – aber eben nur einer davon. Und manchmal besteht echte Stärke darin, mehrere Wege zu kombinieren.

Warum klare Grenzen Vertrauen schaffen

Vielleicht klingt es widersprüchlich, aber je klarer die Grenzen der Psychotherapie benannt sind, desto stabiler wird die therapeutische Beziehung.

Denn Klarheit schützt dich vor falschen Hoffnungen und vor Enttäuschungen, die nie hätten entstehen müssen. Sie zeigt dir, was du erwarten darfst. Und genauso, wovon du dich nicht abhängig machen musst.

Therapie ist kein magischer Ort. Aber sie kann ein ehrlicher, heilsamer und nachhaltiger sein, wenn wir wissen, was sie leisten kann, und was nicht.

Wenn du darüber mehr erfahren möchtest, findest du hier einen vertiefenden Einblick: Psychotherapie verstehen – Was dich erwartet

Birthe Claußen
Birthe Claußen
Ich bin Birthe – Heilpraktikerin für Psychotherapie und jemand, dem psychische Gesundheit wirklich am Herzen liegt. In meiner Arbeit begegne ich Menschen, die erschöpft sind, zweifeln, feststecken oder einfach das Gefühl haben, dass etwas im Inneren nicht mehr so funktioniert wie früher. Ich arbeite systemisch, humanistisch und kognitiv – vor allem aber menschlich und ehrlich. Mich interessiert nicht das „Funktionieren“, sondern dein Erleben: deine Geschichte, deine Muster, deine Belastungen und deine Kraft. Mein Ziel ist es, psychische Prozesse verständlich zu machen und Räume zu schaffen, in denen du nicht stark sein musst, sondern du selbst sein darfst. Ohne Druck, ohne Pathologisierung, ohne schnelle Lösungen – dafür mit Klarheit, Tiefe und echter Verbundenheit.

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